GEORGE
ORWELL führte mit seiner Anti-Utopie 1984 vor,
welche Auswirkungen totale staatliche Überwachung auf
die menschliche Freiheit nach sich ziehen. Sein Held zerbricht
an der Diktatur des allgegenwärtigen Big Brother, die
dem Menschen seine Rechte abspricht.
In der Comicverfilmung V wie Vendetta ist Big Brother
ein Faschist, heißt bezeichnenderweise Sutler (John
Hurt) und bekommt es mit einem Gegenspieler namens V (Hugo
Weaving) zu tun, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, das
futuristische England von einer totalitär-faschistischen
Regierung zu befreien, die Schwarzen, Moslems, Homosexuellen
oder sonstigen „Konvertiten“ die Todesschwadron
schickt. V ist ein stets maskierter Terrorist –für
die gute Sache, was dem Zuschauer schnell klar wird. Wie weit
Sutler und seine Anhänger zur Stabilisierung ihrer Macht
gehen, verspürte V am eigenen Leib, bevor die historische
Figur des katholischen Verschwörers Guy Fawkes ihn als
Vorbild zu seiner kostümierten Vendetta inspirierte.
Eines Nachts kommt er der jungen Evey Hammond (Natalie Portman)
zur Hilfe und erspart ihr eine Vergewaltigung oder gar Schlimmeres.
Evey wird Zeugin eines von V durchgeführten Anschlages,
und V macht deutlich, dass dies erst der Auftakt seines blutigen
Rachefeldzuges ist. Der fünfte November des folgendes
Jahres soll ein erinnerungswürdiger Tag werden, wenn
mit symbolischer Kraft das Parlamentsgebäude samt Big
Ben in die Luft gesprengt wird.
Um der Bevölkerung ihre Unfreiheit und passive Mitverantwortung
vor Augen zu führen, okkupiert V den zentralen Notstandsfernsehkanal
des staatlichen Senders, in dem Evey arbeitet, und ruft die
Allgemeinheit vor den Fernsehschirmen zum Handeln und vor
allem zum Denken auf. Bei seiner Flucht revanchiert sich Evey
und verhilft V zum Entkommen. Der nimmt sie mit in sein Reich
– das letzte Bollwerk gegen den staatlichen Terror.
Er kann Evey davon überzeugen, dass Freiheit das höchste
Gut ist und weiht sie in die verstrickten Machenschaften der
Regierung ein. Evey, eine Waise, weil ihre Eltern den faschistischen
Todesschergen zum Opfer fielen, wird zu V’s Komplizin,
bis bei ihrer Verhaftung eine folgenschwere Wendung eintritt.
Von aller Todesangst befreit, fühlt sie die Kraft, V’s
Mission zu Ende zu bringen, in einem England, dass allmählich
begonnen hat, sich gegen die Unterdrückung zu formieren
und den fünften November zu einem Feiertag zu machen.
Die Sprengung des Parlaments besiegelt das Ende der Ära
des Menschenterrors. |
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Während
Orwells Romanprotagonist sehr realistisch am physischen
Schmerz geistig zerbricht, werden in V wie Vendetta
die Helden erst aus dem Schmerz heraus als Märtyrer
neu geboren.
Kritik:
Die
Brüder Larry und Andy Wachowski betätigten sich
bei der Verfilmung der Comicstory von Alan Moore nicht nur
als Produzenten sondern verfassten auch das Drehbuch. Ihren
politisch brisanten Stoff setzte der Regisseur James McTeigue
bombastisch in Szene. Beim obligatorischen Showdown der
Gegenspieler V und Sutler ist V’s kugelsichere Weste
ein wenig zu kugelsicher, und für einen ehemals Geschundenen
ist er erstaunlich gelenkig. Das finale Attentat gleicht
einem bengalischen Feuerwerk – klangvoll mit Tschaikowsky
untermalt –, das die zur Vernunft gekommenen Menschenscharen
im symbolträchtigen V-Einheitslook bejubeln. Wobei
die Symbolik der als V uniformierten Masse alles andere
als unbedenklich ist. Der Film propagiert allzu drastisch
und plattitüdenhaft das Der-Zweck-heiligt-die Mittel-Prinzip.
Der Hintergrund von Eveys Einzelhaft geriet vorhersehbar,
die Stilisierung von heldenhaften Märtyrern sehr vordergründig
und vereinfachend. Trotzdem ist der Film nicht nur dank
visueller Effekte, sondern auch aufgrund seiner Dialoge
sehenswert. V’s ethisch-philosophische Betrachtungen
verkünden zwar keine neuen Weisheiten, verleihen dem
Film neben praller Action aber Raum zum Nachdenken. Manchmal
mögen die einfachsten Wahrheiten vielleicht die wichtigsten
sein – wie jene von der Freiheit als Eigenverantwortung.
Um daran erinnert zu werden, braucht es aber hoffentlich
keinen fünften November.
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